Sirius

Das Sirius-Rätsel

Hatte die Erde Besuch von außerirdischen Intelligenzen vom Hundsstern Sirius?

Ein Report von Walter Hain

Im westafrikanischen Staat Mali, in Afrika, gibt es einen Stamm von Ureinwohnern, der ein Wissen besitzt, das schon in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bei vielen Autoren und Forschern die Vermutung nahe legte, dass dieses von außerirdischen Intelligenzen stammen könnte. Es handelt sich um den Stamm der Dogon, die anscheinend Kenntnisse über einen der hellsten Fixsterne, dem Stern Sirius, besitzen, die noch nicht einmal den modernen Astronomen bekannt sind.

Ein Werk, das dieses Phänomen ausführlich beschreibt und das auch einige Popularität erlangte, ist das Buch des Engländers Robert K.G. Temple, das 1976 in England unter dem Titel „The Sirius Mystery“ veröffentlicht wurde. In Deutschland ist es 1977 unter dem Titel „Das Sirius-Rätsel“ erschienen. Der Untertitel stellt provokant die Frage: „Hatte unsere Erde einst Besuch von intelligenten Wesen aus dem Bereich des Hundssterns Sirius?“. Temple legt in diesem Buch umfangreich dar, warum wir annehmen müssen, dass die Dogon einst Besuch von Außerirdischen hatten. Temple meint dazu konkret: „Es sieht ganz so aus, als ob es massive Beweise gäbe, dass sich ein Kontakt dieser Art vor relativ kurzer Zeit – vor etwa 7000 bis 10.000 Jahren – ereignet haben könnte; das Material, das uns zu dieser Vermutung führt, lässt jedenfalls keine andere Deutung zu.“

Schon 1967 begann der Engländer ernsthaft mit seiner Arbeit. „Zuerst ging es nur um die Überlieferung eines afrikanischen Stammes: der Dogon in Mali (dem ehemals französischen Teil des Sudans). Die Dogon besaßen Informationen über das Sirius-Sternensystem – so unglaubliche Informationen, dass ich einfach nicht anders konnte: ich musste der Sache nachgehe“, meint Temple und weiter: „Sieben Jahre später häuften sich bei mir die Anhaltspunkte dafür, dass das Wissen der Dogon in Wirklichkeit schon mehr als 5000 Jahre alt ist. Schon die ´alten´ Ägypter besaßen es, und zwar bereits in prädynastischer, prähistorischer Zeit vor dem Jahre 3200 v. Chr., und von diesen ´alten´ Ägyptern stammen die Dogon wohl ab. Zumindest gilt dies – teilweise – für ihre Kultur, und für ihr Volk selbst dürfte es nicht minder gelten.“

Die Dogon kennen einen Schöpfungsmythos, dessen Ausgangspunkt der Stern „Digitaria“ ist. Er soll ein Begleiter des Fixsterns Sirius sein und er soll den Zentralstern umkreisen. „Die Dogon betrachten ihn als kleinsten und schwersten aller Sterne. Er enthält die Keime aller Dinge. Seine Bewegung um seine eigene Achse und rings um den Sirius garantiert das Fortwirken schöpferischer Kräfte im Weltall. Wir werden sehen, dass diese Bewegung den Kalender bestimmt“, schrieben schon 1954 die beiden französischen Ethnologen Marcel Griaule und Germain Dieterlen in ihrem Buch „African Worlds“. Sie stellten umfangreiche Untersuchungen beim Stamm der Dogon an.

Es geht also nicht um den deutlich am Nachthimmel sichtbaren Stern Sirius, der etwa 8,6 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, sondern um dessen Begleiter, mit dem er ein so genanntes Doppelsternsystem bildet. Das Erstaunliche an den Dogon-Überlieferungen ist nämlich, dass sie offenbar von einem Sirius-Begleiter wissen, obwohl dieser mit freiem Auge nicht sichtbar ist und dieser in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts auch noch nicht von einem astronomischen Teleskop erfasst wurde.

Dass sich der Sirius auf eigentümliche Weise bewegt, war aber schon lange bekannt. Der deutsche Astronom Friedrich Wilhelm Bessel entdeckte diese Bewegung, die in einem schwachen Bogen verlief, bereits im Jahr 1830. Er beobachtete diese Bewegung zwischen 1830 und 1840. In diesem Zeitraum bekam der Bogen eine minimale Ausbuchtung. Wie wenn ein Hund von der linken Straßenseite nach der rechten schnüffelt. So bekam der Stern die Bezeichnung „Hundsstern“. Sollte dieses astronomische Wissen schon den Dogon bekannt gewesen sein – oder gar den Ägyptern und den Babyloniern?

Im Jahr 1862 erst wurde der Sirius-Begleiter von dem amerikanischen Astronom Alvan Clark entdeckt und auch astronomisch berechnet. Daraus ergeben sich folgende Daten: Die Masse des nun Sirius B genannten Sterns beträgt 1,02 M; die Dichte 3 x 109 kg pro Kubikmeter; die Rotverschiebung 2,7 x 10-4; und der Radius 5400 km. Der Sirius B wurde zunächst für einen gewöhnlichen, sehr lichtschwachen Stern gehalten. Spektroskopische Untersuchungen zeigten aber dann im Jahr 1914, dass Sirius B sehr hohe Oberflächentemperaturen aufweisen muss, und zwar 25.000 Grad Kelvin, was 24.727 Grad Celsius entspricht. Der Stern leuchtet strahlend weiß. Die Lichtschwäche von Sirius B war also lediglich auf die relativ kleine Oberfläche des Sterns zurückzuführen. Im Jahr 1970 ist dann dem amerikanischen Astronom Dr. Irving W. Lindenblad, vom U.S. Naval Observatory, in Washington, mit Hilfe eines astronomischen Fernrohres erstmals eine Fotografie von Sirius B geglückt.

Der auch in der Antike gut bekannte Fixstern Sirius gilt bei den Astronomen als Stern erster Größe. Sein Durchmesser wurde mit 2,7 Millionen km ermittelt und er strahlt 24-mal heller als unsere Sonne, die einen Durchmesser von etwa 1,39 Millionen km hat. Die Oberflächentemperatur unserer Sonne beträgt 5785 Grad Kelvin, das entspricht 5512 Grad Celsius. Der Stern Sirius hat eine fast doppelt so hohe Oberflächentemperatur, nämlich 9600 Grad Kelvin, entsprechend 9327 Grad Celsius. Sein Begleiter, Sirius B, hat fast die fünffache Oberflächentemperatur unserer Sonne, aber eine wesentlich höhere Dichte. Ein Quadratmeter seiner Materie wiegt nicht weniger als 3 Millionen Tonnen. Sirius B gehört wegen seiner hohen Oberflächentemperatur und seiner geringen Größe zu den so genannten „Weißen Zwergen“. Er hat einen Durchmesser von 10.800 km, also weniger als unsere Erde mit ihren 12.756 km. Ein „Weißer Zwerg“ ist ein Stern von relativ geringer Masse, der am Ende seines Lebens angelangt ist und der sich in einem Gravitationskollaps zusammenzieht, wodurch sich seine Dichte extrem stark erhöht.

Dieses Doppelsternsystem also, mit einem fast doppelt so großen und doppelt so heißen Zentralstern als unsere Sonne, mit einem Weißen Zwerg als Begleiter, mit ebenfalls hohen Oberflächentemperaturen und gigantischen Gravitationskräften, die sogar den Zentralstern ins Wanken bringen, vor Augen, muss man auf das Wissen der Dogon eingehen. Wie erstaunlich und aussagekräftig ist dieses Wissen tatsächlich? Lässt es wirklich den Schluss zu, außerirdische Intelligenzen vom Sirius müssen schon vor Jahrtausenden den afrikanischen Volksstamm der Dogon oder andere Völker im afrikanischen Raum besucht haben?

„Das Wissen der Eingeborenen über das Sirius-System, stammt von vier sudanesischen Völkerschaften: den Dogon im Gebiet von Bandiagara, den Bambara und den Bozo in Segou sowie den Minianka im Koutiala-Gebiet“, steht in der deutschen Übersetzung der Untersuchungen der beiden französischen Ethnologen Marcel Griaule und Germain Dieterlen, veröffentlicht erstmals 1950 in Paris in der Zeitschrift „Journal de la Société des Africanistes“.

„Bei den Dogon, wo zwischen 1946 und 1950 die Hauptuntersuchungen stattfanden, waren die vier Hauptinformanten: Innekouzou Dolo, eine Frau von 65 bis 70 Jahren; Ongnonlou, ein 60 bis 65 Jahre alter Patriarch; Yébéné, ein 50 Jahre alter Priester; und Manda, ebenfalls ein Priester von 45 Jahren“, berichten Griaule und Dieterlen, und weiter: „Als ganzes wurde das System ausführlich von Ongnonlou beschrieben, dass einen außerordentlich geheim gehaltenen Wissensschatz repräsentiert und nur ein Elementarwissen oder – wie die Bambara es nennen- ´leichtes Wissen´ darstellt. Die Gesetze des Sirius-Systems stellt man teils sehr einfach, teils sehr kompliziert dar – dies, um die Aufmerksamkeit von weit geheimeren Berechnungen abzulenken. Das System entspricht einem Einweihungsgrad, dessen Träger aber nicht unbedingt selbst für die Berechnungen verantwortlich ist.“

Dazu meinen die beiden französischen Forscher: „Was uns angeht, so haben wir uns durch die gesammelten Dokumente zu keinerlei Hypothesen verleiten lassen, und auch dem Ursprung der betreffenden Angaben sind wir nicht nachgegangen. Noch ungelöst ist die Frage, ja sie wurde noch nicht einmal aufgeworfen, wie Menschen ohne astronomische Instrumente über Bewegung und Eigenschaften von Himmelskörpern Bescheid wissen konnten, die kaum sichtbar sind.“

Die Dogon feiern alle 60 Jahre ein als „Sigiu“ (=Zeremonie) bezeichnetes Ritual. Zweck dieses Rituals ist die Erneuerung der Welt. Ausführlich beschrieben wurde es von ihnen bereits 1931. Damals war der Sanga-Hogon, der 1935 inthronisiert wurde, der älteste Mann im dortigen Gebiet. Diese Sigui-Zeremonien kann man, mit Hilfe der in diesem Zusammenhang angefertigten Holzmasken und gewissen Gärungsbottich-Einsätzen, bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Ognonlou meinte sogar, es sollten eigentlich 24 solche Zeremoniengegenstände, die jeweils 60 Jahre darstellen, existieren, womit man in die Zeit (von 1935 aus gerechnet) um 500 n. Chr. käme. Jedenfalls hängen die Namen, die die Dogon dem fraglichen Gestirn geben – sie nennen den Sirius „Sigi Tolo“ (=Sigui-Stern) oder „Yasigi Tolo“ (=Yasigi-Stern) – deutlich mit der alle 60 Jahre begangenen Feier der Welterneuerung zusammen, wie Temple berichtet.

Dies zeigt sich auch in der „Sigui-Berechnung“, die aus einer senkrechten Reihung von Winkelmustern besteht und in jeweils drei Teilen zu je 20 unterteilt wird. Der Ethnologe R. Bastide meint allerdings, dass „im allgemeinen die Welt in 22 Wesenskategorien gegliedert ist, die einander, Element und Element, genau entsprechen; es gibt 22 Insektenarten, 22 Tierarten, 22 Pflanzenarten, und auch der Mensch besteht aus 22 Teilen usw.“ Was hat es also mit diesen 60 Jahren auf sich?

Nun, „Sirius selbst ist keineswegs die Grundlage dieses Systems. Seine Position bildet vielmehr nur einen der Brennpunkte innerhalb der Umlaufbahn eines winzigen, ´Digitaria´-Stern (po tolo) oder ´Yourougou´-Stern (yurugu tolo) genannten Himmelskörper, der seinerseits die entscheidende Rolle spielt und dem praktisch allein das Augenmerk der männlichen Eingeweihten gilt“, heißt es in den Aufzeichnungen von Griaule und Dieterlen.

Dieser Digitaria-Stern soll laut den Dogon eine Umlaufzeit von 50 Jahren haben, die aber doppelt gilt, „so dass man auf 100 Jahre kommt, denn auch die Sigui-Feiern begeht man in ´Zwillingspaaren´, um nicht vom Prinzip der Dopplung abzuweichen. Nach der Dogon-Überlieferung wurde, bevor man den ´Hungerreisstern (Digitaria)´ kannte, jeweils am Ende seines siebenten Regierungsjahres (nach der siebenten Ernte) der oberste Stammeshäuptling geopfert. Das war die einzige Zeitrechnung, die man kannte. Von Jahreszählungen wusste man damals noch nichts. Um das Opfer wieder zu beleben, wanderte dessen geistige und materielle Substanz auf den ´Hungerreisstern´, von dessen Existenz man zwar schon wusste, ohne indessen nähere Einzelheiten zu kennen, denn der Stern war unsichtbar, und Näheres war den Menschen noch nicht offenbart“.

Dieser Regel unterwerfen sich also im Laufe von 49 Jahren die ersten sieben Häuptlinge. „Doch als der achte Häuptling den Stern entdeckt hatte, beschloss er, sich dem Schicksal seiner sieben Vorgänger zu entziehen. Von seinem Sohn unterstützt, stellte er sich tot, wartete ein paar Monate und erschien dann vor seinem Nachfolger. Dem erzählte er, er sei auf ´Digitaria´ gewesen, kenne dessen Geheimnisse, und fortan werde jeder Hogon 60 Jahre regieren – die Zeitspanne, die später ein Sigui-Fest vom anderen trennte.“ So kam es zu der Zeitspanne von 60 Jahren.

Fassen wir also zusammen: Die Dogon feierten früher ihre Welterneuerungszeremonien alle sieben Jahre (sieben Ernten) und dann wurde der oberste Häuptling – der inzwischen sieben Jahre regiert hatte – geopfert. Damals kannte man bereits den unsichtbaren „Hungerreisstern“, doch wusste man keine Einzelheiten. Der achte Häuptling beschloss dies zu ändern. Er behauptete, auf „Digitaria“ gewesen zu sein und nun dessen Geheimnisse zu kennen. Er setzte darauf die Regierungszeit jedes Hogon von 7 auf 60 Jahre hinauf. Also müsste der „Hungerreisstern“ eine Umlaufzeit von 60 Jahren und nicht von 50 Jahren haben – der achte Häuptling war ja dort. Auch Temple erkennt darin einen Widerspruch, dennoch ist er sich sicher, dass die Umlaufzeit 50 Jahre beträgt und beruft sich dabei auf P. Baize, der den „Hungerreisstern“ mit dem 1862 entdeckten Sirius B in Verbindung bringt.

Ich hatte mir schon 1979 vom Institut für Astronomie der Unversität Wien entsprechende Informationen dazu eingeholt. Damals wurde mir durch Dr. Ernst Göbel folgendes brieflich mitgeteilt: „Die Entfernung zwischen den Komponenten A und B des Siriussystems ändert sich infolge starker Bahnexzentrizität in den Grenzen 3,06 bis 11.94 Astronomische Einheiten (1 AE = Entf. Erde-Sonne = 149,6 Mio km, Anm.); im Mittel 7,50 AE. Die Umlaufzeit ist unabhängig davon zu 50,09 Jahren ermittelt worden.“ Es ist also richtig, dass der Sirius eine Umlaufzeit von etwa 50 Jahren hat.

Es gibt aber in den Dogon-Aufzeichnungen noch weiteres über den „Hungerreisstern“ zu berichten: „Der achte Hogon lehrte die Menschen. Durch ihn lernten sie die Besonderheiten des Sterns kennen, desgleichen aber auch die Eigenschaften des Siriussystems im allgemeinen. Der weiße Stern – Sirius dagegen glüht rot – steht am Anfang aller Dinge. Als ersten aller Sterne schuf Gott den Hungerreisstern. ´Digitaria´ ist das ´Ei der Welt´, ´Aduno Tal´, das unendlich Kleine, das in seinem Werden alles Seiende aus sich entließ, Sichtbares oder Unsichtbares. Er besteht aus drei der vier Grundelemente: Luft, Feuer und Wasser. Das Erdhafte ist durch Metall vertreten. Zu Beginn war er nicht mehr und nicht weniger als ein Korn, ´Digitaria Exilis´, ein ´kleines Ding´ aus einem Kern, der sich in einer konischen Spirale dreht und dabei unaufhörlich Keime aussendet.“

Demnach können wir feststellen, dass der achte Häuptling die Eigenschaften des Siriussystems bekannt gab und dass Gott den „Hungerreisstern“ als ersten schuf. Dies kann aber astrophysikalisch nicht gut möglich sein, denn erstens entstanden wahrscheinlich andere Sterne im Universum schon früher und zweitens wird wohl Sirius A, als Zentralstern – wie auch unsere Sonne -, vor Sirius B entstanden sein. Also kann Sirius B nicht das „Ei der Welt“ sein, das „in seinem Werden alles Seiende aus sich entließ“. Ein Stern kann zwar durchaus aus Wasser (Wasserstoff) und Feuer bestehen, doch mit Luft (4/5 Stickstoff, 1/5 Sauerstoff) wird es einige Schwierigkeiten geben – man bedenke dazu die ungeheuren Gravitationskräfte auf Sirius B.

Das „Erdhafte“, das „durch Metall vertreten ist“ könnte man vielleicht noch akzeptieren, aber Sirius B als ein „kleines Ding, das unaufhörlich Keime aussendet“ und ursprünglich nicht weniger als ein Korn“ war zu bezeichnen, ist doch etwas merkwürdig. Inzwischen würde Sirius B gar nicht mehr existieren, wenn er so viele „Keime“ verliert. Eher ist es umgekehrt, da sich ein Stern aus einem ursprünglich kosmischen Nebel, aus unzähligen kosmischen „Keimen“, verdichtet und dadurch auch Planeten entstehen können.

Aber noch weitere Eigenschaften des „Hungerreissterns“ der Dogon können mit den tatsächlichen Eigenschaften von Sirius B nicht gleichgesetzt werden. So ist der Stern „Digitaria´ seit Anbeginn Stoff gewordene, schöpferische Bewegung. Sein erstes Produkt ist eine außergewöhnlich schwere Masse, die sich außen am Mantel (bzw. an der Hülle) der Bewegungsfigur festsetzt, die das Korbsieb versinnbildlicht. Die so zustande gekommene Masse erinnert an einen Mörser – doppelt so groß wie das sonst von Frauen benutzte, gewöhnliche Gerät dieser Art. Nach der Version, die man den Männern erzählt, enthält dieser Mörser drei Abteilungen: In der ersten befinden sich sämtliche Wasserwesen, in der zweiten alle Landbewohner, in der dritten alle Bewohner der Luft. Tatsächlich stellt man sich den Stern als ein dickes Oval vor, dessen untere Hälfte eine Spirale mit drei Windungen (den drei Abteilungen) bildet“, schreibt Temple.

Wir lesen hier wieder von der Unwahrscheinlichkeit, dass Sirius B (also Digitaria) der „Anbeginn der Schöpfung“ ist und es wird nicht der Stern selbst, sondern „sein erstes Produkt“ als eine „außergewöhnlich schwere Masse“ bezeichnet. Auch heißt es: „Das Ding, das hervorgeht, das (aus dem Stern) heraustritt, wird täglich so groß wie es selbst. Mit anderen Worten: was der Stern aus sich entlässt, nimmt täglich um das eigene Volumen zu.“ Es ist also nicht der Stern selbst so außergewöhnlich schwer, sondern lediglich sein Produkt und außerdem heißt es an anderer Stelle etwas verwirrend: „Weil er diese Funktion hat, ist der Stern, der als kleinster gilt, zugleich der schwerste Himmelskörper: DIGITARIA ist das kleinste Ding, das es gibt. Es ist der schwerste Stern.“

Diese Ansichten sind natürlich astrophysikalisch völlig falsch, denn erstens ist Sirius B weder der kleinste noch der schwerste aller Himmelskörper, und zweitens wird es auf ihm kaum „Wasserwesen, Landbewohner und Bewohner der Luft“ geben. Bei einer Oberflächentemperatur von 24.727 Grad Celsius und der mehr als hunderttausendfach stärkeren Anziehungskraft als auf der Erdoberfläche, ist dies wohl nicht gut möglich. Die Dogon kennen auch offenbar nicht den Unterschied zwischen Sterne und Planeten, denn in ihrem Sirius-System sind alle Himmelskörper Sterne und es besteht keineswegs nur aus zwei Sternen. Der Stern „Emma Ya“ z.B., „(weibliches Kaffernhorn, weibliche Kaffernhirse), ist größer als Digitaria, aber viermal so leicht. Er umrundet den Sirius in gleicher Richtung wie Digitaria und in der gleichen Zeit (50 Jahre), nur auf einer viel weiteren Bahn“.

Dieses ist wiederum astrophysikalisch nicht sehr wahrscheinlich, da ein Stern (tatsächlich gibt es auch mehrere Sterne, die um ein gemeinsames Zentrum rotieren) in „einer viel weiteren Bahn“ auch eine längere Umlaufzeit haben muss – was mit der Himmelsmechanik zusammenhängt. So schreibt z.B. Irving Lindenblad: „Bei den zahlreichen beobachteten Dreiersystemen von Sternen, die sich um ein gemeinsames Schwerkraftzentrum bewegen, fand man, dass das dritte Element STETS einen VIEL größeren Abstand und (eine entsprechende) Periode als die beiden anderen Komponenten hat. Die Himmelsmechanik macht dieses Phänomen klar, denn es lässt sich demonstrieren, dass ein Dreifachsystem instabil ist, wenn die beiden Sekundärsterne fast gleich weit vom Gravitationszentrum des Systems entfernt sind.“

Für Dr. Paul Murdin, vom Königlichen Observatorium in Greenwich, gibt es jedenfalls keinen Grund, „dass es nicht auch einen Sirius C geben sollte, vielleicht einen weiteren Weißen Zwerg, von Sirius A um den vierhundertfachen Halbmesser unserer Sonne entfernt, dessen Umlaufbahn in der Himmelsebene liegt, so dass er die radiale Geschwindigkeit von Sirius A nicht beeinträchtigt“.

Demzufolge würde also Sirius C in einer Entfernung von etwa 280 Millionen km um Sirius A herumlaufen. Dies wäre noch innerhalb der Bahn von Sirius B, der in einer Entfernung zwischen etwa 457,4 Millionen und 1,78 Milliarden km, im Mittel 1,12 Milliarden km, um Sirius A rotiert. Zahlreiche neue Beobachtungen haben jedoch gezeigt, dass dieses und auch andere Annahmen, wonach Sirius B selbst wieder aus zwei Komponenten besteht, nicht bestätigt wurden. Ein so naher Begleiter müsste sich nämlich in einer kurzperiodischen Bahnbewegung des Hauptsterns auch dann bemerkbar machen, wenn der vermutete Begleiter als Weißer Zwerg selbst unerkannt bliebe.
Das Sirius-System der Dogon setzt sich aber – wie schon erwähnt – aus mehreren Sternen zusammen. So aus dem „Yourougou-Stern“ (5), der „geradewegs zur Erde niederfuhr“, was durch ein sichelartiges Zeichen, das nach unten offen ist dargestellt wird. Dann gibt es einen „Frauenstern“ (6), genannt „Nyan Tolo“, ein Trabant von Emme Ya“, dem „Frauenzeichen“ (7), das die Beziehung zwischen den Geschlechtern symbolisiert. Dann gibt es einen Stern, der das Geschlechtsteil der Frauen darstellt, ein nach unten geöffnetes Oval (8), und schließlich den „Nommo-Stern“ (9) selbst, der durch einen senkrechten Strich mit einer „in drei ungleiche Teile gebrochenen“ Linie, nach unten offen, – wie es heißt- dargestellt wird. Er ist der Sitz der Frauenseele der Zukunft, der Seelen Verstorbener und der Lebenden. Im Ganzen ist das System dargestellt als ein auf die Spitze gestelltes eiförmiges Gebilde, mit den jeweiligen Symbolen darin – der Sirius A befindet sich links außen (1).

 

Sieht man sich diese Darstellung unvoreingenommen an, dann kann man eigentlich keinen vernünftigen Bezug zu einem typischen astronomischen System erkennen. Der Zentralstern ist weit entfernt vom Brennpunkt einer Ellipse und er würde in dieser Stellung keine homogenen Umlaufbahnen für etwaige Planeten zulassen. Der als Sirius B definierte „Hungerreisstern“ (2 und 3) umläuft in dieser Darstellung völlig unsinnigerweise sämtliche andere „Sterne“. Besonders zu beachten ist der „Frauenstern“ (6), der um den „Kaffernhirsestern“ (4) herumlaufen soll. Durch diesen Vergleich sehen wir jedenfalls, dass das Siriussystem der Dogon – falls es sich um ein echtes Sternsystem handelt -, wohl ganz anders aussehen müsste.

Von diesem Sternsysten soll also ein Lebewesen gekommen sein, dass den Dogon und – nach Temple – auch den Ägyptern und den Babyloniern, die Kultur brachte. Es handelt sich um den so genannten NOMMO, wie ihn die Dogon nennen – oder vielmehr den NOMMO´s, eine Art fischähnlicher Wesen. Die Dogon wissen nämlich zu berichten, diese Wesen „seien in einer ´Arche´ gelandet, die aussah wie eine Art Spirale“, die „das Drehen und Wirbeln der vom Himmel herabgekommenen Arche“ darstellen soll. Die von den Dogon hergestellten „Sirigi-Masken-Muster“ sollen dies symbolisieren und aussehen „wie Raketen getriebene Raumschiffe“. Es handelt sich um vertikale geometrische Muster, ähnlich Obelisken.

R. Bastide beschreibt diese Herabkunft auf etwas andere Weise: „Der höchste Gott Amma schuf die Erde und heiratete sie dann; die Klitoris der Erde aber, durch einen Termitenhügel dargestellt, widerstrebt dem göttlichen Phallus, und Amma musste seine Gattin beschneiden, um sie besitzen zu können. Dieser Vereinigung entstammte Jurugu. Er wird Unordnung in die Welt bringen. Doch Amma befruchtet die Erde erneut durch den Regen, und aus diesen neuen Vereinigungen entsprangen die Zwillinge Nommo, ein männlicher und ein weiblicher, und diese werden zum Vorbild künftiger Schöpfungen. Später schickte Nommo den Menschen auch den ersten Schmied, der entlang des Regenbogens in einer Arche herunterstieg, in der er von jedem Lebewesen und Gestein, auch von jeder Fertigkeit, je ein Exemplar mit sich führte.“ Hier erkennt man deutlich die Ähnlichkeit mit der babylonischen und später auch biblischen Schöpfungsgeschichte.

 

Wie schon erwähnt meint Temple, dass bereits die Babylonier das Wissen um das Siriussystem besaßen und er zitiert den babylonischen Priester Berossos, der den Nommo offenbar besonders gut kennt. Er berichtet in seinen Aufzeichnungen von einem Wesen, das er Oannes nennt, und dass einst aus dem Erythräischen Meer auftauchte: „Der gesamte Körper des Tieres glich dem eines Fisches, unter dem Fischkopf besaß es einen anderen Kopf, und unten am Körper hatte es auch Füße, ähnlich denen eines Menschen. Sie waren unterhalb des Fischschwanzes angewachsen. Auch seine Stimme und seine Sprache waren klar und menschlich, und noch bis auf den heutigen Tag bewahrt man eine Darstellung von ihm auf. Sank die Sonne, so pflegte dieses Wesen ins Meer zu springen, und die ganze Nacht brachte es in der Tiefe zu, denn es war ein Amphibium.“ Auf babylonischen Rollsiegeln sind tatsächlich seltsame Fischgötter zu sehen. Temple erkennt in diesen „schleimig, schlüpfrigen Wesen“ intelligente Besucher aus dem Weltall.

Ich befragt dazu schon 1977 in einem Brief den Biogenetiker Prof. Dr. R. W. Kaplan, ob ein vorwiegend im Wasser lebendes Wesen eine Intelligenz entwickeln kann, die der des Menschen entspricht und er antwortete darauf folgendermaßen: „Das ist nicht sicher zu beantworten, da wir zu wenig wissen über Voraussetzungen der Evolution von Intelligenz. Es könnte möglich sein, dass dafür sehr vielfältige und schnell sich ändernde Milieus nötig sind, was wohl im Wasser weniger wahrscheinlich zutrifft als auf dem Lande.“

Die zwei Anthropologen Doris und David Jonas sind in ihrem 1977 erschienenen Buch „Die Außerirdischen“, wo sie möglichen Lebensformen im Weltall nachgehen, der Meinung, dass solche Lebewesen eine Umwelt benötigen, „in der die Wassertiefe nicht alleiniger Faktor ist. Es muss sich um eine Umwelt handeln, wo Gliedmaßen oder zumindest Hände von Nutzen sind, eine Umwelt, die zu Manipulation herausfordert“. Auf unserer Erde gibt es ja durchaus intelligente Lebewesen im Wasser – z.B. die Delphine und die Wale -, eine technische Kultur haben sie nicht hervorgebracht und schon gar nicht Raumschiffe entwickelt.

Die Wesen nach den Dogon-Aufzeichnungen sehen weniger Raumfahrern ähnlich als vielmehr gewöhnlichen Fischarten. Sie haben auch keine Beine und keine Hände. Die von Berossos geschilderten Wesen kamen tagsüber an Land und blieben nachts im Meer. Für Fischwesen wäre das sehr ungewöhnlich, denn sie können sich nicht lange an Land aufhalten. Es sei denn, wir haben es hier mit ganz anderen Wesen zu tun. Vielleicht waren sie durchaus menschenähnlich, jedoch hatten sie eine bestimmte Kleidung, die sie zu fischähnlichen Wesen machte. Denken wir nur an unsere Tiefseetaucher mit ihren Neoprenanzügen, den Taucherbrillen, den Atemgeräten und den Schwimmflossen. Bei technisch ungebildeten Völkern könnten sie durchaus den Eindruck von Fischwesen erwecken. Auch Raumschiffe könnten, wie wir durch die Apollo-Raumflüge gesehen haben, im Meer landen und sich dort auch längere Zeit aufhalten. Vielleicht waren die von den Dogon und von den Babyloniern geschilderten Wesen mit etwas anderen Attributen ausgestattet als unsere Tiefseetaucher sodass sie noch fischähnlicher wirkten. Wir können natürlich nicht völlig ausschließen, dass es sich bei den genannten Lebewesen der Dogon oder der Babylonier um außerirdische Raumfahrer gehandelt hat, doch die Zweifel sind groß.

Die Wissenschaftler nämlich sprechen dem babylonischen Priester eine blühende Phantasie zu weil er auch sonst in seinen Schöpfungsgeschichten von merkwürdigen Kreaturen mit zwei Flügeln, Ziegenbeinen, Pferdebeinen, Stiere mit Menschenköpfen und Lebewesen mit Fischschwänzen und mit Gliedern jeder Art berichtet.

Den Ägyptern war ja der Stern Sirius ebenfalls gut bekannt, sie berechneten ihre Jahre nach dem Erscheinen des Sterns. Deshalb sieht auch Temple darin einen Zusammenhang mit den Überlieferungen der Dogon. Die Ägypter sollen gleich mehrere Gottheiten verehrt habe, die mit dem Sirius in Verbindung gebracht wurden. „Ein ähnlicher Name wie Anubis (im Ägyptischen eigentlich ANPU) und gleichfalls mit Isis-Sothis (Sirius) verbunden ist Anukis – so hieß eine Göttergefährtin der Sothis, die (neben der Göttin Satis) auf ägyptischen Malereien im gleichen Himmelsboot wie Sothis fährt. So sind drei Göttinnen zusammen -möglicherweise Verkörperungen von Sirius A, Sirius B und Sirius C“, meint Temple.

Die ägyptischen Götter waren aber vielgestaltig (polymorph) und veränderlich. „Sie sind keine Fixsterne am Himmel, keine festen Größen, und sie haben menschliche Züge insofern, als sie altern und sterben“, wie Ägyptologen wissen. Sie waren lediglich menschliche Wesen, die mit den Sternen in Verbindung gebracht wurden.

Die Ägypter waren wie versessen auf den Sirius eingestellt, obwohl sie mit ihm erhebliche Probleme hatten. Sie machten auch dann keine Anstalten sich vom Sirius-Kalender zu trennen als sie erkannten, dass sich der morgendliche Aufgang des Sterns mit den Jahren mehr und mehr verspätete. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde eine Reform eingeleitet.

Für die Sumerer war der Sirius von ähnlicher Bedeutung. Auch sie bezogen sich vorerst auf das 365-tägige Jahre und wechselten später zu dem genaueren Sirius-Jahr von 365,25 Tagen. Auf sumerischen Rollsiegeln werden zwar gelegentlich eigenartige fischähnliche Schöpferwesen abgebildet, jedoch meistens geflügelte Gottheiten in Verbindung mit kosmischen Szenen.

Auch den Persern, die ja nicht weit vom mesopotamischen Raum entfernt waren, war der Sirius gut bekannt. Sie nannten in „Tir“ und sie erzählten sich eine Legende, wonach ein feuriger Gott namens Vahagn im Wasser wohnte, wo das Schilfrohr wächst, als leicht entzündende Nahrung für das Feuer.

Fragt man sich nun woher die Dogon ihren Sirius-Kult haben, dann kann dieser durchaus von fremden Menschen eingebracht worden sein. Das Gebiet der Dogon ist schon sehr früh vom Islam überschwemmt worden, noch bevor dort 1949 Misssionare eintrafen. Schon 650 n.Chr. setzten sich in Nordafrika – vorerst allerdings nur in den Städten – die Araber dauernd fest und 1468 eroberten die Lemta-Berber Timbuktu. Um 1500 wurde Timbuktu zum Zentrum des islamischen Schriftgelehrtentums. Ahmed Baba besaß hier allein eine Bibliothek von 1600 Handschriften. Im Jahr 1893 wurde Timbuktu von den Franzosen besetzt. Es könnten also schon vor den Untersuchungen der französischen Forscher Griaule und Dieterlen in den Jahren 1946 und 1950 Einflüsse vorhanden gewesen sein, die von den Dogon übernommen worden sind. Das Dogon-Wissen kann also durchaus ein „leichtes Wissen“ über astronomische Vorgänge sein – und natürlich auch ein bestimmtes Wissen über den am Nachthimmel gut sichtbaren Stern Sirius.

Temple hat sich zwar sehr um jedes Detail bemüht, das mit außerirdischen Wesen vom Sirius zusammenhängen könnte, doch gibt es auf unserem Planeten, der zu zwei Drittel von Wasser bedeckt ist, auch eine Menge Legenden über amphibische Wesen – denken wir nur an die Meerjungfrauen. Auch die Zahl 50 findet sich vielerorts als mehr oder weniger mystische Zahl, sie muss nicht zwangsläufig mit dem Sirius zusammenhängen. Es bleibt nach wie vor bei der negativen Aussage der Astronomen: im Sirius-Bereich gibt es „kaum besonders günstige Voraussetzungen für das Entstehen und die Existenz intelligenter Lebewesen“.

Seit dem Jahr 1960 suchen verschiedene öffentliche und private Institutionen mit astronomischen Geräten den Sternenhimmel nach Signalen von fremden Intelligenzen ab: bisher ohne jeglichen Erfolg. Zwei Astronomen, James C.G. Walker und Gorden W. Pace, suchten dabei im Jahr 1974 speziell in Doppelsternsystemen. Den Sirius schlossen sie von vornherein aus, denn dort ist kein höheres Leben zu erwarten. Das muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein, doch es ist immerhin bemerkenswert.

Der Astronom und Philosoph Prof. Dr. Louis Navia, gibt für die häufigsten Sterntypen die Lebenstoleranzzonen – also den Bereich in einem Sonnensystem in dem höher entwickeltes Leben entstehen könnte -, zwischen 120 und 300 Millionen km vom Zentrum an. Ein Leben tragender Planet in 300 Millionen km vom Zentralstern entfernt, hat wahrscheinlich eine Sonne mit Oberflächentemperaturen um 30.000 Grad Celsius. Der Sirius B dagegen hat eine Oberflächentemperatur von 24.727 Grad Celsius wie wir gehört haben. Er entfernt sich bis auf 1,78 Milliarden km von Sirius A. Demzufolge müsste sich ein Planet im Siriussystem in einer Entfernung von mindestens 2 Milliarden km von Sirius A befinden. Diese Entfernung wäre aber sicher äußerst ungünstig für etwaige höhere Lebensformen auf diesem Planeten.

Der Astronom Dr. Su-Shu Huang, vom Dearborn Observatorium, hat sich bereits in den frühen siebziger Jahren mit den Leben begünstigenden Regionen in der Nachbarschaft von Doppelsternsystemen auseinandergesetzt und dabei sogar eine „Achterbahn“, jeweils um einen Stern, berücksichtigt. Er meinte schließlich, diese Sternkombination sei zwar denkbar, „aber wenn sie einmal zustande kam, dürfte sie wahrscheinlich schon bald in eine andere Sterngruppierung zerfallen sein – dies jedenfalls lange bevor Leben im Siriussystem genügend Zeit gehabt hätte, sich zu entwickeln“.

Die Astronomen nehmen außerdem an, dass ein Stern mit zweifacher Sonnenmasse, wie Sirius B, nicht mehr als eine Milliarde Jahre leben würde, bevor er sich zu einem so genannten „roten Riesen“ aufbläht. Dieser Zeitraum wäre nicht lange genug für die Entstehung von Leben und falls dies doch geschehen sollte, wäre ein Planet durch den Energieauswurf beim Aufblähen, gefolgt von einem stellaren Sturm, förmlich geröstet worden. Der Sirius B ist aber noch kein roter Riese geworden.

Nach Beobachtungen von Sirius B durch den Astronomen H. L. Shipman, von der Universität von Delaware, ist seit den letzten 30 Millionen Jahren dieser Weiße Zwerg im Abkühlen und er sendet laufend schwache Röntgenstrahlen aus, was wenig für Leben spricht. Mit dem Weltraum-Röntgen-Observatorium Chandra wurde am 28. Oktober 1999 eine sehr gute Aufnahme von Sirius B gemacht (siehe Bild unten). Astronomen haben im Jahr 2001 eine „possibly disrupted habitable zone“, also eine mögliche bewohnbare aber zerbrechliche, sich bald auflösende Zone um Sirius A berechnet. Danach würde Sirius B ständig die Bahn eines in dieser Zone existierenden Planeten kreuzen und damit diesen laufend gefährden.

 

Der Astronom Robert S. Harrington, vom U.S. Naval-Observatorium, hat schon Ende der siebziger Jahre gezeigt, dass in planetaren Umlaufbahnen der „bewohnbaren“ Zone um Sirius, kaum Wasser in flüssigem Zustand existieren würde, und dass es daher unwahrscheinlich ist, dass irgendwelche amphibische Lebewesen dort existieren.

Schon im Jahr 1973 bemerkte der Astronom Irving W. Lindenblad, dass es keinen Hinweis gibt, auf einen weiteren Begleiter von Sirius A und Sirius B. Am 22. Januar 1979 schrieb ich persönlich einen Brief an Dr. Lindenblad und fragte ihn, was er vom „Sirius-Rätsel“ hält. Am 6. Mai 1979 antwortete er mir, dass das von Temple veröffentlichte Foto von Sirius B nicht das erste war, sondern ein Foto aus der ersten Serie mehrerer Fotos und weiter: „Ich habe mich gewundert, wie viele andere Fehler in dem Buch von Temple sind und ich möchte mich darüber lieber nicht äußern. Auch weil Temple´s Buch einfach kein astronomisches Werk ist und daher nicht in mein Gebiet fällt.“

 

Außerdem geht die relative Bahnbewegung von Sirius B, wie im Buch von Temple anhand einer Zeichnung angedeutet wird, keineswegs hervor. Die Zeichnung wurde willkürlich den modernen Berechnungen angepasst, „denn es besteht natürlich keinerlei Möglichkeit, aufgrund der Informationen der Dogon mit Sicherheit die Umlaufgeschwindigkeit des ´Hungerreissterns´ (Digitaria) festzustellen“, wie Temple selbst schreibt. Dr. Lindenblad schrieb ja schon 1973 an Temple: „Was Ihre Umlaufdiagramme des Sirius angeht, so hat meine Arbeit damit überhaupt nichts zu tun. Die Veränderungen, mit denen ich mich befasst habe, betreffen sehr kleine Quantitäten, die sich nur mit großen Teleskopen feststellen lassen, und selbst mit solchen Instrumenten bedarf es noch ausgedehnter Beobachtungen.“

Der Astronom Prof. Dr. W.H. McCrea, von der Universität von Sussex, in England, schrieb ebenfalls 1973 an Temple und dabei folgendes: „In Ihrer geist- und einfallsreichen Untersuchung ägyptischer, sumerischer und griechischer Mythen haben Sie, so scheint es, gezeigt, dass es bei einigen Völkern VIELLEICHT Vorstellungen von einem dunklen, dichten Stern gab, der möglicherweise mit Sirius in Verbindung gebracht wurde. Mehr aber scheint mir, wie ich sagte, nicht festzustehen.“

Bei allem Bemühen um die Auffindung von Hinweisen auf Besuche von außerirdischen Intelligenzen in den Aufzeichnungen der Dogon, muss man erkennen, dass sich darin bestenfalls ein „leichtes Wissen“ über einen bestimmten Fixstern befindet. Die Dogon kennen anscheinend einen Stern, der am nächtlichen Himmel mit dem freien Auge gut sichtbar ist und dem sie ihre Gunst erweisen. Ähnliches findet sich bei den Ägyptern und den Babyloniern. Zur Erklärung der Welt kamen die Dogon mit einem Stern nicht aus und so entwickelten sie ein eigenes „Sternsystem“, das mit einem astronomischen wenig zu tun hat. Wenn sie auch meinen, ein Stern bewegt sich um den anderen, so ist das ein Wissen, das sich aus gewissen Überlegungen begründet, und das auch andere Völker entwickelt haben. Es muss daraus nicht zwangsläufig ein Kontakt mit Außerirdischen abgeleitet werden.

Die Dogon bezeichnen einen ihrer „Sterne“ lediglich als „das kleinste Ding, das es gibt“, und als „schwersten Himmelskörper“. Dies aber nur deshalb, „weil das was der Stern aus sich entlässt, täglich um das eigene Volumen zunimmt“, was auf den Sirius B nicht zutrifft. Digitaria ist außerdem nur so schwer, „dass alle Erdenwesen zusammen ihn nicht heben können“, und wiegt so viel „wie 480 Eselslasten (etwa 35.000 kg)“. Dabei handelt es sich zwar um die denkbar größte Zahl, die sich die Dogon vorstellen können, doch würde der Hinweis – wenn das Wissen tatsächlich von Außerirdischen stammen sollte – auf 480 Erdenlasten oder gar Sternenlasten (auch z.B. so viel wie 480 Sigui-Sterne) schon eher stutzig machen. Tatsächlich wiegt Sirius B etwa 600.000-mal so viel wie unsere Erde. Seine Gravitation an der Oberfläche ist 400.000-mal stärker als die Gravitation auf der Erde. Dies müsste aus dem Wissen der Dogon hervorgehen, wenn es von Außerirdischen stammen würde. Alles was die Dogon aber wissen, sind Erkenntnisse eines astronomisch unterentwickelten Volkes.

Dass ein Stern oder überhaupt ein Himmelskörper ungeheuer schwer sein muss, ist ja auch für ein weniger entwickeltes Volk schon aus praktischen Überlegungen heraus durchaus vorstellbar. Ein Stein ist schwer, zwei Steine sind schwerer, drei Steine noch schwerer, ein großer Stein besonders schwer, ein Berg ungeheuer schwer, ein Gebirge unvorstellbar schwer, usw. Also muss ein ganzer Landstrich oder ein ganzer Himmelskörper noch um vieles schwerer sein – und eben auch ein Stern. Schon aus diesen Überlegungen heraus, wären die Dogon ein für irdische Verhältnisse außergewöhnlich intelligentes Volk. Daraus kann aber kein Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen zwingend abgeleitet werden.

(Textauszug aus IRRWEGE DER GESCHICHTE, Wien 1981, geringfügig überarbeitet und aktualisiert)

Quellen:

Temple, K. G.: Das Sirius-Rätsel, Frankf. a. Main, 1977

Temple, K. G.: The Sirius Mystery,

Baize, P.: Le Compagnon de Sirius, in l’Astronomie, Sept. 1931.

Kaplan,

Griaule, Marcel ; Dieterlen, Germain : Un Systéme de soudannais de Sirius,

in Journal de la Société des Africanistes 20, 1, Paris 1950.

Griaule, Marcel : Masques Dogons, l’Université de Paris 1938.

Bastide, R. : Die Mythologie der Afrikaner, bei Grimal, P.: Mythen

der Völker, Band 3 1977.

Jonas, D. u. D.: Die Außerirdischen, Zürich 1977.

Sexl, R. u. H.: Weiße Zwerge – schwarze Löcher, Hamburg 1975.

Bernatzik, Hugo A.: Die große Völkerkunde, Leipzig 1939.

Hain, Walter: Irrwege der Geschichte, Wien 1981.

Navia, Luis: Das Abenteuer Universum, Düsseldorf 1977.

Kaplan, Reinhard W.: Der Ursprung des Lebens, Stuttgart 1972.

Weiteres zum Sirius-Rätsel im Internet:

http://www.mysteria3000.de/archiv/ps/siriusb.htm#1

http://chandra.harvard.edu/photo/2000/0065/index.html

http://chandra.harvard.edu/photo/cycle1/0065/0065_chart.jpg

See an animation of possibly disrupted habitable zone:

http://www.solstation.com/orbits/siriussys.htm

http://www.solstation.com/stars/sirius2.htm