Dendera

Stromerzeuger und Elektrizität im Altertum?

Hatten die Parther elektrische Batterien, die Ägypter Glühlampen, die Maya Elektromotoren?

Die „Batterien von Bagdad“

Im Jahr 1936 entdeckte der Österreicher Wilhelm König, der damals Direktor der Bagdader Antikensammlung war, bei Ausgrabungen im Irak einen seltsamen Gegenstand: „In einem vasenartigen Gefäß aus hellgelbem Ton, dessen Hals abgenommen war, stak, von Asphalt festgehalten, ein Kupferzylinder. Die Vase war etwa 15 cm hoch, das aus Kupferblech verfertigte Zylinderrohr mit Boden hatte einen Durchmesser von 26 mm und eine Höhe von 10 cm. In diesem befand sich, durch eine Art Stöpsel aus Asphalt festgehalten, ein vollständig oxydiertes Stäbchen aus Eisen mit einer Höhe von 9 cm, dessen oberes Ende etwa 1 cm über den Stopfen herausstand und mit einer gelbgrauen, völlig oxydierten dünnen Schicht eines Metalls, dem Aussehen nach Blei, überzogen war. Das untere Ende des Eisenstäbchens reichte nicht bis auf den Boden des Zylinders, auf dem sich eine etwa 3 mm starke Asphaltschicht befand“, schreibt König in seinem Buch „Neun Jahre Irak“ von 1940.

König erkannte schon damals, dass es sich bei diesem seltsamen Gegenstand nur um ein „elektrisches Element“ handeln könne. Es hat anscheinend recht deutlich die Beschaffenheit einer elektrolytischen Zelle, die chemische in elektrische Energie umwandeln kann. Ein Tongefäß als Isolierkörper, einen Kupferzylinder als Kathode in dem durch eine Säure als Elektrolyt die Ionen zur Anode, dem Eisenstab, wandern und somit elektrischer Strom fließen kann. Das interessante daran ist, dass dieses Objekt aus einer Zeit stammt, in der es noch keine künstlichen Stromquellen gab. Der Fundort liegt nämlich etwa 30 Kilometer östlich von Bagdad, auf einem Hügel namens „Khujut Rabuah“ (auch „Khuyut Rabbou’ah“).

Auf diesem Hügel fand König auch Terrakottafiguren und Gefäße aus Glas und Keramik; sie stammen aus der Zeit der Parther, ein Reitervolk, dass zwischen 250 v. Chr. und 224 n. Chr. das Gebiet östlich des Kaspischen Meeres beherrschte. Die Frage ist: konnte dieses Reitervolk schon mit elektrischen Strom umgehen? Die Blütezeit des Parther-Reiches war unter der Regierung König Mithridates zwischen 123 bis 87 v. Chr. Aus dieser Zeit könnte die „Batterie von Bagdad“ stammen. Nicht weit von Bagdad, etwa 50 km entfernt, in Ktesiphon, in der Nähe von Seleucia, fanden Archäologen mindestens zehn weitere ähnliche Gegenstände.

Schon im 6, Jahrhundert v. Chr. entdeckte der Grieche Thales von Milet die Wirkung der elektromagnetischen Kraft in dem er herausfand, dass Bernstein leicht Gegenstände, wie Haare, Stoffasern oder -fäden, anzieht, wenn er vorher gerieben wird. Diese Reibungselektrizität konnte man erstmals im Jahr 1745 mit Hilfe einer Elektrisiermaschine, der Leydener Flasche, sichtbar machen und für kurze Zeit sammeln. Sie gab bei der Entladung jedoch kaum mehr als einen Funken statischer Elektrizität ab. Diese Elektrisierversuche waren schließlich ausschlaggebend, dass der Anatomieprofessor Luigi Galvani im Jahr 1780, die nach ihm benannte Galvanische Elektrizität entdeckte. Erst seit dieser Zeit gibt es, nach der herkömmlichen Lehrmeinung, eine chemische Energiequelle zur Erzeugung von elektrischen Strom.

Im Jahr 1960 fertigte John B. Pierczynski, an der Universität von North Carolina, ein Duplikat dieser seltsamen Gegenstände aus Bagdad an. Er füllte den Kupferzylinder mit einer 5-prozentigen Essigsäure und erhielt 18 Tage lang eine elektrische Spannung von 1,5 Volt. Im Jahr 1978 fertigte der damalige Direktor vom Museum Hildesheim, Dr. Arne Eggebrecht, anlässlich einer Ausstellung, gemeinsam mit dem Restaurator Rolf Schulte, ebenfalls ein Duplikat der „Bagdad-Batterie“ an. Sie wählten als Elektrolyt frisch gepressten Traubensaft, der auch damals im Orient verfügbar gewesen sein müsste. Die so entstandene galvanische Batterie gab schließlich 0,5 Volt elektrische Spannung ab – ausreichend zum Vergolden von kleinen Gegenständen wie der Restaurator und der Museumsdirektor meinten. Tatsächlich konnte auch dieser Vorgang anhand einer kleinen Figur demonstriert werden. Ein anwesender Galvaniseur, Kurt Pengel, meinte, dass die Parther vermutlich eine weit bessere Salzlösung als Elektrolyt verwendeten. Diese Salzlösung konnte man durch schlecht gegerbtes und verrottetes Leder gewinnen. Noch 1940 stellte Wilhelm König fest, dass es in Bagdad noch immer „ein primitives Verfahren auf versteckter elektrischer Basis“ zum Vergolden von Gegenständen gibt.

Im Jahr 1979 fertigten zwei Mitarbeiter des Prähistorischen Mueums in München, Roman Raab und Max Berkau, ebenfalls anlässlich einer Ausstellung, Rekonstruktionen der „Batterie“ aus Bagdad, aus Meterialien wie sie früher bekannt waren wie Ton, Kupfer und Eisen, an. Mit einfachen Essig-, Trauben- und Zitronensäuren gefüllt, lieferten diese Batterien jeweils 0,5 Volt Spannung und 20 Milliampere Strom. Wenn man alle 4 bis 5 Tage die Säure erneuert, kann man das Element monatelang verwenden, meinten die Konstrukteure.

Konnten die Parther aber tatsächlich gezielt mit elektrischen Strom umgehen? Wussten sie, dass in ihren seltsamen Gefäßen eine elektrische Spannung entsteht? Es ist ja kein elektrisches Zubehör wie Drähte, Kabel oder Klemmen gefunden worden. Mit Recht fragte sich daher schon 1962 Walter Winton vom Science Museum in London: „Wie konnte denn der Strom nachgewiesen werden?“ Und weiter fragt Winton: „Und wenn diese seltsame Erfindung nicht als Speicher für Elektrizität verwendet wurde, für welchen Zweck wurde sie dann angefertigt?“ Ist diese Tonvase mit dem Kupferzylinder und dem Eisenstäbchen nur ein merkwürdiger Kultgegenstand, der zufällig eine Ähnlichkeit mit einem galvanischen Element hat? Das ist nicht von der Hand zu weisen. Mit einfachen Experimente aus dem Physikunterricht mit Äpfeln oder Birnen und Metallstäbchen kommt man zu dem selben Ergebnis wie mit den Tongefäßen aus Bagdad. Einigermaßen nennenswerte elektrische Spannungen müsste man durch Zusammenschalten vieler solcher Element erreichen. Man müsste stärkere Elektrolyte wie Schwefelsäure verwenden, diese ist aber erst im 8. Jahrhundert von Jabir ibn-Hayyan entdeckt worden, wie der amerikanische Ingenieur und Historiker L. Sprague de Camp, dessen Freund Willy Ley ebenfalls das Bagdad-Element untersucht hat, schon 1980 festgestellt hat.

Wie schon erwähnt, sind zum Galvanisieren Drähte, Klemmen und anderes Material notwendig, die bisher aus dieser Zeit nicht gefunden wurden. Daher müssen diese „Bagdad-Batterien“ weiter zweifelhaft bleiben, „bis mehr und endgültigere Beweise gefunden sind – Gegenstände wie Verbindungsdrähte, Kompassnadeln, elektrolytische Gefäße, Metallunterteile zur ‚Umwandlung‘ von Gold und Silberverkleidungen, Spulen, oder, genug Zellen zur Verbindung in Serie um einen elektrischen Schlag geben zu können“, meinte schon 1962 Walter Winton und abschließend: „Bis zu diesem Tag ist es mir nicht erlaubt an Bagdad-Batterien zu glauben die vor Christus hergestellt wurden.“

Angesichts des fehlenden elektrotechnischen Zubehörs aus dieser Zeit und sonstiger Schwierigkeiten die Bagdad-Gefäße eindeutig als galvanische Elemente zu identifizieren, kommt Markus Pössel zu ganz anderen Überlegungen. In Texten aus hethitischer Zeit, rund ein Jahrtausend vor den Parthern, fand er Hinweise zur Benutzung von Gegenständen für den Hausbau. Dabei erwähnt werden Bronzenägel, Kupfer und Eisenhammer, die magische Wirkung haben sollen. „Den Materialien Kupfer und Bronze kam dabei augenscheinlich eine besondere Schutz- oder Abwehrfunktion zu. Vergleichbare Kräfte wurden Bitumen (Asphalt) und Eisen zugeschrieben – letzteres galt sogar als noch stärker als Kupfer“, schreibt Pössel. Bitumen wird in assyrischen Texten in Verbindung mit Zaubersprüchen ausgegossen. „Eisennägel waren besonders beliebt zum Bannen und zur magisch wirksamen Befestigung von Verwünschungstafeln“, so Pössel. „Von Blei ist bekannt, dass es vor allem bei Schadenszauber eine Rolle spielte, bei dem eine andere Person verwünscht wurde“, und „aus dem hellenistischen Kulturkreis, mit dem die Parther in engem Kontakt standen, sind einige hundert Bleitafeln mit Fluchsprüchen erhalten, die zum Teil in zusammengerolltem Zustand deponiert waren“.

„Möglicherweise stehen die diversen ‚Batterien‘ in ebendieser Tradition“, schreibt Pössel. „Schriftlich fixierte Zauberformeln, auf Papyrusrollen geschrieben, zu ihren magischen Schutz in Bronze gewickelt, zu ihrem mechanischen Schutz in Tonkrügen aufbewahrt, können die halb zersetzten Papyrusrollen und das in einigen der Bronzezylinder festgestellte zellulosehaltige Matrial erklären. Die Art, wie die drei Objekte aus Seleukia um ein bestimmtes Gebäude herum angeordnet waren, jeweils mit vier Metallstäben, die um sie herum in der Ecke staken, erinnert an Gründungs- oder Schutzzauber ähnlich dem oben zitierten. Der Eisenstab der ‚Batterie‘ von Khujut Rabbou’a könnte zur magischen Befestigung des Inhalts gedient haben, ähnlich den Eisennägeln, mit denen Zaubertexte festgenagelt wurden. All dies passt zu einer magischen Funktion der ‚Batterien‘, meint der Physiker nicht zu unrecht.

Heute, siebzig Jahre nach der Auffindung durch Wilhelm König und mehr als dreißig Jahre nach den Rekonstruktionsversuchen, gibt es immer noch keine weiteren Hinweise auf die Verwendung von elektrischen Batterien im Altertum. Der amerikanische Däniken-Kritiker Ronals Story konnte schon 1976 nicht einsehen. „wie diese Batterien nur teilweise für prähistorische Raumfahrer nützlich gewesen wären“.

Die „Glühlampen“ von Dendera

Die merkwürdigen Gefäße aus Bagdad sind nicht die einzigen Gegenstände die auf Elektrizität im Altertum hinweisen sollen. In einem ägyptischen Tempel, in Dendera, der Göttin Hathor geweiht, errichtet in ptolemäischer Zeit von 332 bis 30 v. Chr., finden sich seltsame Wandreliefs, die an elektrische Glühbirnen erinnern. Der „Bermuda-Dreieck-Forscher“ Charles Berlitz veröffentlicht in seinem gleichnamigen Buch von 1974 eine Skizze von den Reliefs, die „früher als ‚Kultobjekte‘ beschriebene Gegenstände“ zeigen soll, die „stark an gewaltige Glühlampen mit umsponnenen Kabeln, die an eine Art von Schalter oder Generator angeschlossen sind“.

Der dänische Ingenieur Tons Brunés war einer der ersten, die diese Wandreliefs im Tempel von Dendera „mit moderner Brille“ sahen. Er bezweifelte schon 1976 die Datierung des Tempels und meinte, dass daran die Wandreliefs in den unterirdischen Krypten schuld seien. „Die Illustrationen sind von ganz besonderer Art und können uns etwas über Technik und Energie aussagen. Ohne viel Phantasie zu mobilisieren, muss man sagen, dass die Bilder an große Glühbirnen erinnern, die auf starken Isolatoren angebracht sind“,. schrieb der Ingenieur in seinem Buch „Energien der Urzeit“ von 1977.

Im Jahr 1979 fuhr der österreichische Vermessungstechniker und Grafiker Reinhard Habeck mit einigen Freunden nach Dendera um endlich der Sache auf den Grund zu gehen. Es war im schließlich gelungen die ersten Fotos von diesen Wandbildern der Öffentlichkeit zu präsentieren und diese waren beeindruckend. Man kommt beim unvoreingenommenen Betrachten der Bilder tatsächlich nicht umhin an gewaltige Glühlampen zu denken. In einigen ersten Veröffentlichungen im Jahr 1980 beschreibt der Vermessungstechniker die Bilder folgendermaßen: „An den Wänden erkennt man menschliche Gestalten (1) neben blasenförmigen Gegenständen (2), die spontan an überdimensionale Glühbirnen erinnern. Innerhalb dieser ‚Birnen‘ befinden sich wellenartige Schlangen (3). Werden hier Glühfäden symbolisiert? Die Spitzen Enden der Schlangen führen alle zu einer Lotusblume, die ohne viel Phantasie leicht als Fassung (4) interpretiert werden könnte. Von diesem Element führt ein höchst eigenartiges Kabel (5) zu einem ‚Kästchen‘ (6) auf dem der Luftgott kniet. Luftgott? Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang mit Ionisation? Unmittelbar daneben befindet sich als Zeichen der Kraft ein zweiarmig dargestellter Djedpfeiler (7), der in Verbindung mit der Schlange steht. Eine Ähnlichkeit mit modernen Hochspannungsisolatoren lässt sich kaum abstreiten. Über die ursprüngliche Bedeutung oder Zweck dieser Stütze ist man sich selbst in ägyptischen Fachkreisen uneinig. Man glaubt unter anderem auch eine Palme zu erkennen, dargestellt mit gestützten Wedeln oder einer Rückwand. Bemerkenswert erscheint mir auch die Dämonengestalt mit zwei Messern in den Händen, die als schützende und abwehrende Macht gedeutet wird (8).“

Sollten die Reliefs tatsächlich Glühlampen darstellen, dann müssten auch in Ägypten entsprechende elektrotechnische Gegenstände wie Kabel, Klemmen, Schrauben und auch entsprechende Glaskörper aus dieser Zeit gefunden worden sein. Nichts dergleichen ist gefunden worden. Würden die Wandreliefs Szenen einer vor Jahrtausenden existierenden Hochtechnologie zeigen, dann müssten längst entsprechende Funde gemacht worden sein. Nach unserem herkömmlichen Wissen konstruierte erstmals Heinrich Goebel im Jahr 1854 eine elektrische Glühlampe, wobei er einen verkohlten Bambusfaden als Glühfaden benutzte, den er in einer luftdicht verschlossenen Glasröhre einschloss. Diese Versuche waren aber nicht von Erfolg gekrönt, weil der Kohlefaden zu rasch verbrannte. Erst Thomas Alva Edison gelang im Jahr 1879 die Herstellung einer brauchbaren Glühlampe mit einem Glühfaden aus Platindraht in einer Vakuumkammer. Heutzutage werden die Glühfäden aus Wolframdraht gemacht, der einen höhern Schmelzpunkt als Platindraht hat. Die wohl größten Metallfadenlampen entwickelte die Firma Osram im Jahr 1934 mit einer Länge von etwa einem Meter und einer Breite von etwa 34 cm. Sie erbrachte eine Leistung von 20.000 Watt. Solche Superglühlampen hat man dann nicht mehr gebaut, weil es günstiger ist viele kleine Lampen zusammenzuschalten.

Für derartige Glühlampen, und überhaupt für Glühlampen im allgemeinen, braucht man auch die nötige Energiezufuhr. Thomas Alva Edison benötigte für seine ersten Glühlampen einen elektrischen Generator mit wahrscheinlich 100 Volt Spannung. Damit konnte er cirka 400 Glühlampen speisen, später wurden stärkere Generatoren entwickelt, die bis zu 1400 Volt elektrische Spannung lieferten. Derartiges müssten auch die Ägypter gehabt haben, um ihre Glühlampen zu speisen. Einige wenige einfache Batteriezellen reichen nicht aus. Im Jahr 1808 benützte man z.B. 2000 Batteriezellen um einen kleinen Lichtbogen zu erzeugen. Deshalb wurden später die Lichtbogenlampen durch Metalldrahtlampen ersetzt. Im Prinzip gilt die Regel: geringe elektrische Energie, kleine Glühlampen; große elektrische Energie, große Glühlampen.

Wenn also die Wandreliefs im Hathor-Tempel von Dendera Glühlampen darstellen sollen, dann sind diese – entsprechend den Proportionen auf den Reliefs – etwa 170 cm mal 40 cm groß. Es müssten also Glühlampen sein, die eine hohe elektrische Energie benötigen. Die Benutzung in den Räumen des Tempels wird schwierig gewesen sein, weil diese nur wenige Meter breit sind (4,6 mal 1,12 m). Die dabei entstehende Hitze wäre unerträglich. Nimmt man an das die Schlange im Innern einer der „Lampen“ den Glühfaden darstellt, dann wäre dieser über einen Meter lang und demnach äußerst heiß und gefährlich – abgesehen davon, dass unsere besten Elektrotechniker Mühe hätten einen derartigen Glühfaden herzustellen.

Inzwischen sind die Bilder der Wandreliefs von Reinhard Habeck, in dem gemeinsam mit seinem Schriftsteller- und Forscherkollegen Peter Krassa (beide waren gemeinsam im Hathor-Tempel) 1992 veröffentlichten Buch mit dem Titel „Das Licht der Pharaonen“ zu sehen. Darin schildern die beiden Autoren auch die Rekonstruktion der angeblichen Glühlampen durch den Wiener Elektrotechniker Dipl. Ing. Walter Garn. Tatsächlich ist es dem Elektroingenieur gelungen ein allerdings nur etwa 40 cm großes Modell, das im Aussehen einem bestimmten Relief im Dendera-Tempel ähnlich sieht, herzustellen. Mit Hilfe eines kleinen Generators und einer Vakuumpumpe konnte Diplomingenieur dann tatsächlich mehrer Entladungen „ähnlich einem Elmsfeuer“ und „sich verästelnde Sprühentladungen“, sowie „ein schlangenartiges Lichtband“ im Glaskörper des Modells erzeugen.

Es handelt sich also bei dem Modell von Dipl. Ing. Garn um eine Art Gasentladungslampe und nicht um eine Glühfadenlampe. Ähnliches hätte man aber auch mit einem anderen aus der Phantasie heraus entwickelten Glaskörper machen können. Das Modell von Walter Garn beweist nicht, dass derartiges auch die Ägypter im Stande waren herzustellen. Der Elektroingenieur konnte mit seinem Modell kein dauerhaftes stabiles Leuchten herstellen, was unerlässlich wäre für eine längere Beleuchtung in den dunklen Tempelgewölben. Sein Modell würde höchstens beweisen, dass die Ägypter aus dem Experimentierstadium nicht herausgekommen sind, obwohl deren „Glühlampen“ gewaltig sind. Der Djed-Pfeiler in Garns Modell hat lediglich stützende (des Glaskörpers) und weniger isolierende Funktion. Solche gerippten Isolatoren werden gewöhnlich nur in Hochspannungskraftwerken eingesetzt und sollen den Isolator flächenmäßig vergrößern, um – wie Dipl. Ing. Garn richtig bemerkt – „die ‚Kriechwege‘ für die elektrische Entladung entlang der Isolatoroberfläche möglichst groß zu machen“. Bei geringeren Spannungen wie bei Glühlampen sind derartige Isolatoren nicht nowendig. Tatsächlich hat der so genannte Djed-Pfeiler einen ganz anderen Ursprung. Das Modell von Dipl. Ing. Garn entspricht nur einem bestimmten Relief. Auf anderen Darstellungen – die Habeck und Krassa fairerweise veröffentlichen – sind die Arme des Djed-Pfeilers außerhalb der Blase und manchmal fehlt der Djed-Pfeiler überhaupt. Es lässt sich also aus den Reliefs nicht eindeutig eine bestimmte technische Konstruktion herauslesen.

Schon 1979 meinte der von Habeck befragte Ägyptologe Dr. Helmut Satzinger, vom Kunsthistorischen Museum in Wien, zu den Wandreliefs von Dendera: „Es könnte sich um eine Sonnenbarke handeln, dem Standardsymbol im alten Ägypten. Ein Boot, mit dem der Sonnengott bei Tag über den Himmel und bei Nacht in die Unterwelt fährt. Der Form nach erinnert es an die Papyrusboote von Thor Heyerdahl. Diese Sonnenboote haben im Heck eine Plattform mit einer herunterhängenden Matte, während der Bug zu einer Lotusblume gestaltet ist.“

Bild: Das stilisierte Sonnenboot mit Lotusblumen und Schlange (links). Rechts daneben eine Umzeichnung davon mit „Blase“.

Tatsächlich taucht die Sonnenbarke in ägyptischen Darstellungen sehr häufig auf, mitunter auch stark stilisiert und als Hieroglyphe. Auch auf einem Wandrelief im Tempel von Dendera ist die stilisierte Sonnenbarke zu sehen mit abgewinkeltem Heck und der Lotusblume am Bug. In der Mitte – auf der Barke – eine weitere Lotusblume mit einer aufrecht stehenden Schlange (Abb. 21 im Buch von Habeck/Krassa). Kippt man die Schlange um, sodass ihr Ende in die Lotusblume am Bug zeigt und zieht man eine Ellipse um die Schlange, dann hat man genau das was auf den Wandreliefs in vergrößerter Form dargestellt ist und als „Glühlampe“ identifiziert wird. Die Reliefs haben aber in Wahrheit kultisch-religiöse Bedeutung und stellen Handlungen dar, die von den Pharaonen im Namen Gottes vorgenommen wurden. Sie besaßen magische Bedeutung und konnten durch bestimmte Riten „zum Leben erweckt“ werden.

Die ganz oben gezeigte Skizze stellt dann folgendes dar: Ein Priester (1) steht auf der Sonnenbarke (5), an deren einem Ende die Lotusblume (4) und am anderen Ende der Djed-Pfeiler (7) angebracht ist. Dieser Pfeiler stellt wahrscheinlich den himmlischen Lebensbaum dar. Er ist auf ägyptischen Darstellungen stets mit vier Unterteilungen zu sehen, was auf die vier Himmelsrichtungen oder Himmelsgegenden hinweist. Es handelt sich also nicht um „Kühlrippen“ moderner Hochspannungsisolatoren, die meistens mehr als nur vier Rippen haben. Die abgewinkelten Arme weisen auf den stützenden Himmelsbaum, die Himmelssäule, unsere Milchstraße hin (siehe Grabplatte von Palenque, Kandelaber von Pisco). Auch das „Ka-Symbol“, das Symbol der menschlichen Lebensenergie, von dem die Ägypter glaubten, dass sie auch nach dem Tod weiter existiere, wird derart dargestellt. So breitet auch der Luftgott Schu (6) seine Arme entsprechend aus. Der ägyptische Gott Thot (8) war nicht nur Gott der Weisheit, Erfinder der Schrift, der Rede und der Zeitberechnung; er war auch Magier, Schreiber der Götter und spielte beim Jüngsten Gericht eine wichtige Rolle. Er hat in der Hand keine „Messer“, sondern Schilfrispen, die zeremonielle Funktion hatten und die auch in den Hieroglyphen zu finden sind.

Bild links: Eine altägyptische Darstellung aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. zeigt die Himmelsgöttin Nut über die der Sonnengott mit seinem Boot fährt. Darunter der Luftgott Schu mit ausgebreiteten Armen und dem Djed-Pfeiler sowie mit Ankh-Zeichen, und ganz unten der mit Schilfrispen übersäte liegende Erdgott Geb.

In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Interessierte kritisch zu den Wandreliefs von Dendera geäußert. Der schon erwähnte Physiker Markus Pössel hat weitere Details beschrieben, die auf kultische Handlungen hinweisen. Er zitiert Quellen mit denen die zuvor schon erwähnten Erklärungen bezüglich des Sonnenbootes weitgehend übereinstimmen. Einen besonderen Aspekt sieht Pössel in dem „Kasten“ auf dem der Luftgott Schu sitzt (6). Dr. Satzinger hat diesen schon als „Plattform mit einer herunterhängenden Matte“ identifiziert (siehe oben). Pössel schreibt aber: „In der älteren ägyptologischen Literatur werden sie (die Kästen, Anm. d. Verf.) oft als ‚Ziermatte‘ bezeichnet. Heute deutet man sie als Treibtafel: eine Art ‚Unterwassersegel‘, das, wie wir beispielsweise aus den Überlieferungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot wissen, bei stromabwärts fahrenden Nilschiffen benutzt wurde“. Bisweilen sind diese „Kästen“ sehr detailliert als eine Art geflochtener Kasten (Abb. 22 bei Habeck/Krassa; Abb. 1.6 bei Pössel) ausgeführt, in anderen Fällen als bloßes Rechteck. Es sind also keine Kästen für Generatoren oder irgendwelche elektrische Geräte.

Die aus der Lotusblume emporragende Schlange symbolisiert wahrscheinlich die aufgehende Sonne, weil auch die Lotusblume sich nachts schließt und morgens aufgeht. So wird auch der Sonnengott Re-Harsomtus manchmal auf einer aufgehenden Lotusblume dargestellt. Die Schlange hat aber bei den Völkern auch eine himmlische Bedeutung. Sie windet sich als Tierkreis oder als Himmelsäquator symbolisch um den himmlischen Lebensbaum, der Milchstraße. Morgens verschwindet diese Schlange und macht der Sonne Platz, weshalb im ägyptischen Buch der Unterwelt AMUDAT zu lesen ist, dass sich die Sonne direkt vor ihrem morgendlichen Aufgang im Leib einer Schlange verjüngt. Die Umrahmung der Schlange, als „Blase“ angesehen, hat wahrscheinlich eine ähnliche himmlische Bedeutung. Nach Pössel wird sie in den Begleittexten zu den Wandreliefs mit hn (Hen) beschrieben. Als „ein Wort mit der Alltagsbedeutung ‚Kasten, Truhe, Behälter“. In den Hieroglyphen werden mitunter in ptolemäischer Zeit die Namen von Herrschern in so genannte Kartuschen oder Seilschlingen eingerahmt, was wahrscheinlich auf das Universum, auf die Allmacht der betreffenden Person hinweist – vielleicht auch auf einen riesigen Kasten, Truhe oder Behälter, in dem sich die himmlischen Ereignisse wie der Auf- und Untergang der Sonne abspielen.

Elektromotoren im Altertum?

In meinem Buch „Irrwege der Geschichte“ habe ich bereits erklärt, dass die Verzierungen auf einem bestimmter Tonteller der Tolteken (siehe Dona/Habeck), aus dem 10. bis 12. Jahrhundert n. Chr., nicht einen Elektromotor darstellen. Die Zeichnung auf dem Teller würde einem Motor mit Aussen- UND Innenpolen entsprechen, was technisch eher ein Kuriosum wäre. Auch ein 1975 von einem Studenten der Atomphysik nach Maya-Schriftzeichen rekonstruierter Rotationskolbenmotor entspricht derselben phantasievollen Vorgangsweise wie bei den Reliefs im Hathor-Tempel von Dendera.

Resümee:

Bei der Suche nach Artefakten von außerirdischen Intelligenzen oder von einer vor vielen Jahrtausenden vielleicht existierenden technischen Hochkultur, stellt sich beim ersten Betrachten oftmals die Frage: „Sieht das nicht aus wie…?“. Will man einigermaßen wissenschaftlich vorgehen, dann muss man im weiteren auch fragen: „Kann es das auch sein?“. Man muss dann auch Prämissen berücksichtigen, die gegen die zuvor gefasste Meinung sprechen. Wenn sich nach einer gründlichen Analyse aller Fakten herausstellt, dass die beim ersten Eindruck entstandene Meinung nicht richtig sein kann, dann muss man diese ad acta legen. Viele der vorgefassten Meinungen und Ansichten in der Paläo-SETI-Forschung haben sich längst als unrichtig herausgestellt, dennoch werden sie weiter aufrecht gehalten. Das wirkt jedoch unseriös und es entspricht nicht einer ernsthaften Erforschung der ungeklärten Phänomene. Die alten Ägypter hatten – so wie es aussieht – keine elektrischen Glühlampen und die Parther keine galvanischen Batterien zur Stromerzeugung, und die Maya oder die Tolteken keine Elektromotoren. Elektrizität im Altertum in diesem Sinne gab es offensichtlich nicht.

(Textauszug aus meinen Buch IRRWEGE DER GESCHICHTE , Wien 1981, geringfügig überarbeitet und aktualisiert)

Quellen:

Berlitz, Charles: Das Bermuda-Dreieck, Wien 1975.

Dona, Klaus; Habeck, Reinhard: Im Labyrinth des Unerklärlichen, Rottenburg 2004.

König, Wilhelm: Neun Jahre Irak, Wien 1940.

Keel-Leu, Othmar: Zurück von den Sternen, Fribourg 1970.

Krassa, Peter; Habeck, Reinhard: Das Licht der Pharaonen, München 1992.

Pörtner, Rudolf: Alte Kulturen ans Licht gebracht, Düsseldorf 1975.

Pössel, Markus: Phantastische Wissenschaft, Reinbek b. Hamburg 2000.

Sprague de Camp, L.: Ingenieure der Antike, Düsseldorf 1976.

Story, Ronald: The Space-Gods revealed, London 1976.

Winton, Walter: Baghdad Batteries B.C.; in SUMER 18, 1962.

Im Internet:

http://www.aei.mpg.de/~mpoessel/index.html

http://doernenburg.alien.de/alternativ/dendera/dend00.php

http://doernenburg.alien.de/alternativ/dendera/dend03.php